Korea

Seoul – Tag 2-5

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23. Oktober 2019

Neues Hostel gesucht

Nach guten zehn Stunden Schlaf fühle ich mich wie neu geboren. Die dünne Matratze auf dem Boden hat mich nicht im geringsten an einem tiefen Schlaf gehindert. Eine kurze aber erfrischende Dusche später packe ich meinen Rucksack zum ersten Mal komplett zusammen und mache mich auf und davon aus diesem doch sehr ruhigen Stadtteil. Für den ersten Tag und Abend war die Hostel-Wahl perfekt, wollte ich die Möglichkeit wahrnehmen, mehr Leute kennen zu lernen, galt es aber eine neue Behausung zu finden. Zumal nun Freitag ist, Wochenende. Möglicherweise mein Glück, dass diese Tage als Feiertage in Süd-Korea gelten. Ohne grosse Probleme habe ich mittels Handy ein Hostel mitten in Hongdae ausgemacht und gebucht, vorsichtshalber aber erneut nur für zwei Tage.

Hongdae

Beim Einchecken um die Mittagszeit im neuen Hostel, welches ich übrigens ohne weitere Probleme gefunden habe, spricht mich ein Gast an. Julian ist gute 20 Jahre jünger als ich und hat schon einmal in Seoul gewohnt. Überraschenderweise stammt der Gute aus der Schweiz und hat ebenfalls noch nichts gegessen. Also ziehen wir kurzerhand zusammen los um was Leckeres in den Magen zu kriegen. Er erzählt mir, dass er in Seoul ist, um sein Hobby zum Beruf zu machen: Break Dance. Offensichtlich bietet sich die Koreanische Hauptstadt dafür an. Jedenfalls hat er hier bereits diverse Auftritte auf örtlichen Bühnen. Zudem ist er bemüht, sein soziales Netzwerk ständig zu erweitern. Aufgrund des lokalen Thanks-Giving, hier Chuseok genannt, waren seine Freunde alle bei Familien-Anlässen – also hat er offensichtlich Zeit. Da er Seoul besser kennt, zeigt er mir in den folgenden Tagen diverse Orte und Restaurants, wobei ich insbesondere letztere ohne seine Tipps wohl nie besucht hätte. Von erstklassigen Kaffees über wirklich grossartige Glace-Restaurants bis hin zu günstigen aber leckeren Essens-Stuben, welche ich nur mit Mühe als solche erkannt hätte. Lustig: Er erzählt mir, in den Monaten welche er zuvor in Seoul gewohnt hat, hätte er noch keinen einzigen Schweizer kennen gelernt; na da fühle ich mich ja nun etwas spezieller.

Gangnam

Nebst diversen exklusiven Verköstigungen waren wir noch im legendären Gangnam Viertel. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich den wahren Hintergrund des Songs nie wirklich verstanden habe. Nun ja, dafür bin ich nun ja nach Korea gekommen, immerhin etwas dazu gelernt. Hätte ich natürlich auch einfach bei Wikipedia nachschlagen können, hätte es mich in diesem Ausmasse interessiert:

Der Song ist als Parodie konzipiert. Demzufolge bezeichnet Gangnam Style den verschwenderischen und luxuriösen Lebensstil, den man mit dem Bezirk Gangnam der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verbindet.

Freitag Mittag gehe ich spontan mit Ludovic was essen. Es ist sein letzter Tag in Seoul, bevor er nach Taiwan weiter reisen wird. Es war ein entspannter Mittag, darauf folgend hat er hat mir noch „sein“ Stadtviertel bei Tag vorgestellt – eine deutlich ruhigere Ecke von Hongdae. Wir verabschieden uns am späteren Nachmittag und ich wünsche ihm eine gute Zeit in Taiwan; auf der Suche nach dem grossen Lebensglück. Abends überzeuge ich Julian mit mir und Miles auf die Piste zu gehen. Nach der Verköstigung mit Chicken Nuggets (ein Essen sehr im Sinne von Miles) trennen sich die Wege unseres Dreier-Gespanns schon schnell. Julian spricht buchstäblich jeden im Pub an um seine sozialen Kontakte zu erweitern, Miles und mich zieht es schon rasch in ruhigere Gefilde. Der Abend wird dennoch überraschend lang – erst irgendwann am Samstag Morgen verabschieden wir uns wieder. Miles zieht weiter in den Süden, Inselleben mit Strand und Sonne. Ich werde ihn vermissen.

Der Samstag ist wenig erstaunlich nicht sehr erlebnisreich. Julian und ich scheinen einen ähnlichen Schlaf-Rythmus gehabt zu haben, was uns erneut eine gemeinsame Mahlzeit einbringen soll. Abends zieht es uns wieder in die Gegend vom sogenannten Playground, wo ich auch dank des offenen Schweizers schnell viele neue Bekanntschaften mache. Das US-Militär ist in der Nähe stationiert, weswegen ich mit der gut fünf Mann starken Truppe umherziehe. Zumindest bis dann um halb zwei Uhr Morgens endlich das Bayern-Spiel übertragen wird. Auf mein freundliches Bitten hin, hat die Bar meines Vertrauens einen qualitativ erstklassigen Kanal eingestellt. Wäre aber auch noch schöner gewesen, hätten Sie das nicht getan. Schliesslich weist ausnahmslos jeder Bierdeckel im Lokal auf der Rückseite das Bayern-Logo aus.

FC Seoul

Sonntag hab ich mir vorgenommen, das lokale Fussballspiel anzusehen. Es spielt der FC Seoul gegen Incheon, wobei das Heimteam mit 3:1 gewinnt. Das Spielniveau war erwartungsgemäß bescheiden, interessant war aber, dass man sich dank freier Sitzplatz-Wahl das gesamte World Cup Stadion ansehen konnte. Tickets gab es zum Spotpreis von knapp CHF 15 an der Stadion-Kasse. Zu meinem überraschen hatten sich diverse weitere Touristen dieselbe Idee und waren vor Ort. Nach dem Spiel sitze ich noch eine Weile. Beim rausgehen spreche ich kurzerhand den äusserst un-koreanisch drein blickenden Kollegen von einigen Sitzreihen nebenan an, wie ihm das Spiel gefallen habe. Stellt sich heraus: Ein weiter Schweizer. Julian sieht keinen Landsmann in diversen Monaten und ich zwei in vier Tagen, sonderbar.

Damian lädt mich freundlicherweise auf ein Bier vor dem Stadion ein, worauf ich seine Geschichte erfahre. Er macht offensichtlich gerade eine Auszeit vom Arbeits-Leben, behält aber seine Wohnung vorerst. Da er sowieso in Japan war, hat er sich kurzerhand entschieden, noch in Korea vorbei zu schauen. Zudem ist er beinharter BVB-Anhänger, was uns im Eiltempo völlig neue Gesprächs-Dimensionen eröffnet hat. Nur logisch, dass ich wir gleich noch ein Abendessen zusammen mit Julian vereinbaren, die Schweizer-Connection war, auch aufgrund der unterschiedlichen Charaktere, eine unterhaltsame Sache.

Lotte World Tower

Den Tag darauf schaue ich mir den Lotte World Tower an, der Weg dahin zieht sich, lohnt sich aber auch. Der Ausblick vom fünft höchsten Gebäude der Welt ist eindrücklich. Fühlt sich auch gut an, wieder mal alleine unterwegs zu sein, das war in den vergangenen Tagen kaum einmal der Fall. Damian hat es bereits an diesem Montag in den Süden gezogen, er schaut sich Busan an. Im Verlauf des Tages entscheide auch ich mich, ebenfalls am folgenden Tag gen Süden aufzubrechen. Seoul war schön, aber irgendwie habe ich alles gesehen, was mich interessiert hat. Und meine neuen Freunde sind ebenso alle weiter gezogen. Für Julian beginnt das Arbeitsleben wieder, was auch besser so ist – er scheint gefallen am Nachtleben von Seoul gefunden zu haben, wie er selbst überrascht erzählt. Am Dienstag Morgen sehen wir uns zufällig nochmal im Hostel, was uns die Möglichkeit einer Verabschiedung gibt. Mit frischem Elan (und gewaschener Wäsche) mache ich mich auf zur Seoul Station wo der KTX-Train auf mich wartet.

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