Korea

Seoul – Tag 1

on
16. September 2019

Incheon International Airport

Nach einem überraschend angenehmen Flug bin ich morgens um 5 Uhr in Seoul gelandet. Erste erfreuliche Erkenntniss: Die schon in der Schweiz bestellte und installierte Sim Card funktioniert bereits nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug wunderbar. Heisst für mich jetzt theoretische 30 Tage unlimitierte Daten für gut 50 Euro, nett.

Nach dem (kurzen) Imigration Process habe ich mich auf den gut ausgeschilderten Weg zum nächsten Zug gemacht. Zuvor galt es, eine T-Money Card zu ergattern, das hat der englischsprachige Automat freundlicherweise für mich erledigt. Kurzerhand mit 40k Won aufgeladen und in den all-stop Train gestiegen. Es gäbe noch die Express Variante, die kostet mehr und benötigt ein separates Ticket. Da sowieso viel zu früh ist, habe ich mich für die etwas gemächlichere Variante entschieden.

Die Endstation ist Seoul Station, welche nach gut einer halben Stunde erreicht ist. Nun habe ich mich mit dem Subway Plan beschäftigt. Die App (subway) hilft nicht unwesentlich und macht das U Bahn fahren zum Klacks. Ich fuhr nach Jongno 3 (sam) – ga, da mein vorgängig gebuchtes Hostel da irgendwo rumstehen sollte. Nach einigem suchen kann ich bestätigen: Das tut es auch.

Ikseon-dong

Morgens um kurz nach acht Uhr interessiert sich nur kaum jemand für etwaige Eincheck-Wünsche. Zu meiner Freude hat der werte Host seine Telefonnummer bei der Tür hinterlegt. Weniger erfreut war der gute Mann, als ich ihn in der Früh aus dem Bett gerissen habe; zumindest hat er den Anschein gemacht. Da er mir zuvor via E-Mail bestätigt hat, dass ein frühes deponieren des Gepäcks kein Problem sein sollte, hielt sich mein schlechtes Gewissen aber stark in Grenzen. Etwas überrascht war ich, als sich die Erkenntnis breit machte, dass der gute Mann nahezu kein Englisch spricht. Seine E-Mail-Konversationen hat er also, übrigens genau wie unsere Gespräche vor Ort, mittels Google Translater geführt. Nach einem entsprechend kurz gehaltenen Gespräch weiss ich jetzt wo seine Toilette steht und dass er mich via SMS kontaktieren wird, wenn das Zimmer bezugsbereit ist; das soll in ungefähr zwei Stunden der Fall sein, versichert er mir.

Vom Rucksack befreit habe ich mich trotz nahezu null Schlaf auf gemacht, die nähere Umgebung zu erkunden. Schnell habe ich realisiert, dass an diesem Donnerstag zu dieser Uhrzeit kaum ein Geschäft geöffnet ist. Dass am kommenden Wochenende sowas wie das koreanische Thanksgiving stattfindet, hat sicherlich nicht geholfen. Was tut man also, wenn das Schicksaal keinen Kaffee für einen bereit hat? Palast gucken natürlich. Was ein Glück, dass der Changdeokgung Palace gleich nebenan steht, sprichwörtlich nebenan – nach gut fünf Minuten zu Fuss stehe ich vor dem, gemäss einschlägigen Reiseseiten sehenswerten Palast. Unglücklicherweise ist auch der erst ab neun Uhr geöffnet, also heisst es erst mal warten für mich.

Wenige Minuten später sehe ich einen verloren wirkenden, ganz und gar nicht koreanisch drein blickenden Weissen. Da der Gute wie ich auf die Palast-Öffnung zu warten scheint, spreche ich ihn kurzerhand darauf an. Stellt sich heraus, dass Ludovic aus Frankreich stammt und nach Korea nach Taiwan gehen wird um dort ein neues Leben aufzubauen. Das scheint mir interessant genug, um mit dem sympathischen Kollegen zusammen durch die Palast-Wege zu gehen. Schnell bemerken wir, dass der Palast nicht wirklich was her gibt, umso erfreulicher war die erfrischende Kommunikation. Da das Hostel noch nichts von sich hören lassen hat gingen wir weiter zum Hanok Village,

Bukchon Hanok Village

Die traditionellen Häuser in der Millionenstadt Seoul sollte man gesehen haben, so sagt das Internet. Da das Village nur wenige Gehminuten vom Palast entfernt liegt lag es nahe, diese Sehenswürdigkeit gleich noch mitzunehmen, Zeit war sowieso genug da. Auf dem Weg durch die Gassen fängt beginnt es für wenige Minuten zu regnen. Ein Unterstand ist schnell gefunden, wo sich ein weiterer ganz ungar nicht koreanisch drein blickender Herr zu uns gesellen sollte. Nur logisch, dass ich den nach den guten Erfahrungen mit Ludovic ebenfalls anspreche.  Miles war sein Leben lang Soldat und weist einen wirklich interessanten Lebenslauf auf. Zudem freut er sich sichtlich, mit jemandem englisch sprechen zu können. Gemäss seiner Aussage sei es das erste mal seit drei Tagen, dass er mit jemanden in Seoul sprechen könne. Da er Engländer ist, lag das garantiert nicht am mangelnden Sprachverständnis seiner Seite. Das war dann schon eher Ludovics Problem, sein Englisch war nur halb gut. Entsprechend erfrischend war Miles für unsere kleine Gruppe, weswegen wir aufgrund gegenseitiger Sympathie den Weg zusammen beendeten. Da Miles nicht gut auf koreanisches Essen zu sprechen war, war meine erste koreanische Mahlzeit ein Sandwich-Toast. Wie sich später herausstellen sollte, eine Spezialität im Land. Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich nur, nicht den Rest meines Urlaubs mit ganz und gar nicht asiatischem Essen abgespiesen zu werden.  Vom Hanok Village haben sich übrigens alle drei mehr erwartet, wird es doch von überall her gross beworben. Um drei Uhr trennen sich unsere Wege, mein Zimmer ist ready und ich gönne mir eine Mütze Schlaf, während die anderen beiden in ihre Hostel-Regionen zurückkehren. 

Hongdae zum Ersten

Mit Ludovic habe ich mir noch provisorisch zum Abendessen in seiner Gegend verabredet. Einerseits wollte ich echtes koreanisches Essen, andererseits sah ich die Gelegenheit, gleich am ersten Tag den Themenpunkt „koreanisches BBQ“ zu erledigen. Immer mit der Angst im Nacken, die verbleibenden Tage alleine zu essen und entsprechend keine Gelegenheit mehr für dieses Menü zu kriegen. Natürlich war eine gewisse Portion Respekt mit dem Termin verbunden. Ich habe seit gefühlt zwei Tagen nicht mehr geschlafen, ob da zwei Stunden im Hostel reichen würden? Ohne Wecker hätten sie das sicher nicht. Das Hostel entsprach einem traditionellen koreanischen Haus, ein (sehr kleines) Zimmer mit Matratze am Boden, dazu eine Klimaanlage und ein angrenzendes eigenes Bad. Ganz ehrlich, die folgenden zwei Stunden hätte ich auch auf dem Gehsteig vor dem Gebäude schlafen können, dermassen müde war ich. Als der Wecker sich meldete habe ich ohne gross darüber nach zu denken, den Termin mit Ludovic bestätigt, wir treffen uns beim Subway Exit der Hongik University. Trotz Regen und immer noch wenig Energie mache ich mich auf zur nächsten Subway Station, die ich natürlich bereits bei meiner Ankunft kennengelernt habe. Offensichtlich scheine ich dort beim Auschecken irgendeinen Fehler gemacht zu haben, alle möglichen U-Bahn Drehtüren verweigerten meiner Karte mittels wenig klarer Fehlermeldung den Eintritt. Wahrscheinlich mein Fehler, so dachte ich mir, und kaufe kurzerhand eine Einzelfahrkarte am Automaten. Lustig dass weder diese noch die nächste funktionieren. Da die darauf folgenden Tage niemand je dieses Problem gehabt zu haben schein, gehe ich davon aus, dass dort irgendwas mit dem Eingang falsch war. Meine Zuversicht in das koreanische U-Bahn Netz wechselte jedenfalls schlagartig von sehr angenehm zu fertige Katastrophe. Nach Betätigung des Not-Buttons bei der Not-Tür liess man mich trotz nicht funktionierender Karten auf meinen nächsten Subway-Trip. 

Ludovic führt mich etwas im für mich neuen Stadtteil Hongdae rum. Schnell bemerke ich, dass hier deutlich mehr abgeht als im scheintoten Bereich wo sich mein Schlafgemach befindet, und das trotz anhaltendem Regen. Meine Aufmerksamkeit-Spanne ist zu diesem Zeitpunkt aber nahezu nicht mehr vorhanden. Was sicherlich mit ein Grund für das eher zähe Gespräch beim vorzüglichen Essen war. Obschon ich kaum was geschlafen habe, hätte ich anschliessend noch ein Dessert-Bier vertragen. Der Franzose entschied sich dagegen und verabschiedete sich um neun Uhr in Richtung seines Hostels. Nach kurzem Überlegen stelle ich fest, dass die Heimkehr auch für mich keine schlechte Idee zu sein scheint, Bier gibt’s auch noch am folgenden Tag. Was ich gelernt habe: Gleich am nächsten Tag aus dem doch sehr ruhigen und wenig sozialen Hostel auszuchecken und ein Zimmer in Hongdae zu buchen, ich brauche nach diesem sehr ruhigen Beginn deutlich mehr Action. Gute Nacht.

Tag 2-5

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